Soeben haben wir die neue Version 1.2.1 veröffentlicht und die ist wieder einmal deutlich größer geworden als unsere bescheidenen Versionsnummern vermuten lassen.
Spektroskopie
Phyphox kann zwar nicht alleine mit Bordmitteln Licht in seine Wellenlängen zerlegen, aber schon lange gibt es Projekte, in denen Handyspektrometer gebaut werden, indem entweder ein günstiges Beugungsgitter oder ein Stück einer CD oder DVD eingesetzt werden. Damit kann man das Licht zu einem Regenbogen zerlegen und mit dem Handy – nunja – bisher meistens nur ein Foto machen um es später weiter auszuwerten. Hier liefert phyphox nun die Möglichkeit, das Bild durch eine Umrechnung in relative Leuchtdichte zu linearisieren und dann spalten- oder zeilenweise zu mitteln um wirklich das Spektrum darstellen zu können. Wenn man das Handy auf einem Stativ in einem fixen Aufbau nutzt, kann man dann auch Punkte auswählen, bekannten Wellenlängen zuordnen und so das Spektrum kalibrieren.

LED-Stroboskop
Ebenso neu ist das Taschenlampen-Stroboskop. Hier nutzt phyphox die Blitzlicht-LED des Handys um eine Stroboskopie-Funktion anzubieten. Man kann Frequenz und Duty Cycle wählen und mit einem Oszilloskop und einer Photodiode kann man leicht prüfen, dass phyphox hier die Zielfrequenz sehr zuverlässig erreicht. Leider kann phyphox allerdings nicht verifizieren, wann genau das Handy die LED wirklich schaltet, so dass phyphox auch nicht merkt wenn es zu schnell wird. Das heißt, dass ab einer zu hohen Frequenz einzelne „Licht-Ereignisse“ verloren gehen und das Stroboskop unregelmäßig wird. Je nach Gerät kann das bei 20 Hz, 50 Hz oder erst 100 Hz passieren. Glücklicherweise kann man es dem Licht ansehen: Wenn beim langsamen erhöhen der Frequenz eine plötzliche Änderung auftritt (Flackern oder schlagartig dunkler) sollte man skeptisch werden.

Tongenerator
Eigentlich ist der überarbeitete Tongenerator nur die direkte Auswirkung, die man als Nutzer sieht. Dahinter steckt, dass phyphox nun Bildelemente dynamisch ausblenden kann, dass wir schon seit der letzten Version verschiedene Wellenfunktionen unterstützen und dass die Audio-Engine nun in Stereo arbeitet. Das alles wurde in den Tongenerator gepackt und nun kann man bis zu drei Kanäle einstellen, von Sinus- auf Rechteck- und Sägezahnfunktionen umstellen und einzelne Kanäle beliebig auf den linken oder rechten Lautsprecher ziehen. Natürlich wollen wir die Lernenden nicht mit allen Optionen erschlagen, weshalb der Tongenerator erstmal wie gewohnt im „einfachen“ Modus daher kommt. Im zweiten Tab kann man dann mehr Kanäle und Funktionen für Fortgeschrittene aktivieren.

Neue Sprachen
Die meisten von euch bekommen das naturgemäß nicht zu sehen, aber wir sind dennoch sehr stolz darauf, dass unsere freiwilligen Übersetzer erneut fleißig waren und phyphox in ihre jeweiligen Muttersprachen übersetzt haben. Als Neuzugänge haben wir hier nun Gujarati, Koreanisch und Tamil zu verzeichen. Als ein Team, das gewohnt ist, mit lateinischer Schrift zu arbeiten, führen uns diese für uns exotischen Zeichen vor Augen, wie international phyphox ist.
Viele kleine Neuerungen
Das war noch längst nicht alles. Wir haben das veraltete Excel-Format xls durch das neuere xlsx ersetzt, welches die Grenze von 65.535 Zeilen beseitigt. Im Hauptmenü können nun mehrere Experimentkonfigurationen zum Löschen ausgewählt werden, indem man sie gedrückt hält. In den Einstellungen kann man Standard-Dateinamen für Export, Screenshot und gespeicherte Zustände setzen (auch mit Platzhaltern). Viele Experimente haben nun eine Auswahl beim Löschen der Daten, die es erlaubt Kalibrationswerte oder Einstellungen beizubehalten. Die komplette Bluetooth-Engine unter Android wurde neu geschrieben, ebenso wie die Unterstützung für MQTT. Viele neue Module und Funktionen sind für diejenigen verfügbar, die eigene Experimentkonfigurationen erstellen.
Die komplette Liste der Neuerungen und Verbesserungen findet man auf https://phyphox.org/docs/reference/version-history/1.2.1/.
Neue Dokumentation und Tests
Und da sollte denjenigen, die phyphox wirklich gut kennen, die eigentlich größte Neuerung auffallen. Wir haben eine neue technische Dokumentation unter https://phyphox.org/docs. Warum ist das die größte Neuerung? Weil diese Dokumentation mehr ist als ein aktualisierter neuer Text. Hier haben wir KI auf die Weise zur Hilfe genommen, die unstreitbar Projekte verbessert, ohne neue Probleme bereiten zu können. Die gesamte alte Dokumentation, die Codebasis beider Apps (Android und iOS), eine Sammlung aus hunderten über die Jahre erstellten Experimentkonfigurationen und wochenlanges Korrekturlesen und Entscheidungen treffen von Rückfragen der KI haben zu einer scharfen und maschinenlesbaren Definition des phyphox-Dateiformats geführt (und übrigens auch der REST API). Die neue Dokumentation ist eine Mischung aus Erklärtexten und automatisch generierten Informationen aus den maschinenlesbaren Formaten.
Das bedeutet nicht nur, dass man nun klarer weiß, was passiert, wenn man eine Experimentkonfiguration erstellt, sondern dass dies auch leichter automatisiert geprüft werden kann. Mithilfe dieser scharfen Definition wurden automatisierte Tests für Android und iOS sowie für den Experimenteditor gefüttert und alleine zwischen den beiden App-Versionen so über 100 Unterschiede gefunden und behoben. Dabei hat phyphox nun auch (endlich) ein richtiges Testsystem erhalten, welches die Funktionen der App als Code-Ausschnitte (alle Analyse-Module), mit UI-Tests in Emulatoren (Menüs, Bedienelemente, Sprachen, aber auch die Interfaces aller Experimente) und schließlich mit sieben repräsentativen realen Geräten (Bluetooth, Audio und Sensoren) testet.
Die Betaphase war diesmal deutlich kürzer als gewohnt und dennoch dürfte dies die am intensivsten überprüfte Version von phyphox sein.
Wir hoffen wie immer, euch gefallen die neuen Funktionen und freuen uns über Anregungen und Feedback.
Und als letzte Erinnerung: Es sind nur noch wenige Karten für unsere Jubiläums-Show verfügbar und die Anmeldung für unsere Fortbildung läuft noch wenige Tage. Schaut einfach unter https://phyphox.org/10y vorbei!
